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Heilpraktiker

zwischen Kritik und Zuspruch

Ihre Fragen - Meine Antworten

von
Dr. phil. Jörg Berchem

Heilpraktiker blicken auf eine lange Tradition von Erfahrungs- und Naturheilkunde zurück. Seit Jahrzehnten werden sie von ihren Patienten als eine wertvolle Ergänzung und Alternative in der Gesundheitsversorgung geschätzt. An dieser Stelle möchte ich auf die häufigsten Fragen und Vorurteile in Bezug auf Heilpraktiker kurz eingehen.

Welche Ausbildung haben Heilpraktiker?
Viele Heilpraktiker haben einen medizinischen Grundberuf erlernt und sich dann zum Heilpraktiker weiter qualifiziert. Manche sind Quereinsteiger aus einem ganz anderen Beruf.
Beide Gruppen besuchen im allgemeinen eine private Heilpraktikerschule, je nach Vorqualifikation und Möglichkeit in Voll- oder Teilzeit. Der Umfang dieser Ausbildung variiert je nach Vorwissen.

Stimmt es, dass Heilpraktiker außerhalb gesetzlicher Bestimmungen und Kontrollen handeln?
Nein. Das Gesetz über die berufsmäßige Ausübung der Heilkunde ohne ärztliche Bestallung, meistens kurz als „Heilpraktikergesetz“ bezeichnet, bildet die wichtigste Grundlage und schafft die Voraussetzungen für unseren Beruf.
Selbstverständlich gelten auch für Heilpraktiker das Infektionsschutzgesetz, Heilmittelwerbegesetz, das Arzneimittelrecht, Betäubungsmittelgesetz, Hygienevorschriften und so weiter. Schweigepflicht, Sorgfaltspflicht, und Fortbildungspflicht werden durch die Berufsordnung und die Rechtsprechung geregelt.

Werden Heilpraktiker staatlich geprüft?
Ja, Heilpraktiker müssen eine gesundheitsamtliche Überprüfung durchlaufen. Hier werden medizinische Kenntnisse, die Grenzen der Heilpraktikertätigkeit und wichtige rechtliche Grundlagen geprüft.
Die Überprüfungsleitlinien des Bundesgesundheitsministeriums und Richtlinien der Bundesländer geben die Inhalte der Überprüfung vor.

Gibt es eine Zulassung für Heilpraktiker?
Ja, Heilpraktiker darf sich nur nennen, wer nach Überprüfung eine behördliche Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde nach dem Heilpraktikergesetz erhalten hat.
Die Erlaubniserteilung (Zulassung) setzt das Bestehen der medizinischen Überprüfung voraus.

Sind Heilpraktiker Gegner von oder eine Konkurrenz zu Ärzten?
Nein. Heilpraktiker arbeiten häufig mit Therapiemethoden, die nicht Bestandteil der akademischen Medizin sind. Ausbildung von Kompetenzen sind unterschiedlich. Viele Verfahren der Ärzte stehen Heilpraktikern nicht zu Verfügung.
Wir verstehen uns nicht als Konkurrenz, sondern in den meisten Fällen als Alternative oder Ergänzung. Dabei nutzen wir vorhandene medizinische Befunde und sind daran interessiert im Einvernehmen mit behandelnden Ärzten zu arbeiten.
Wissend, wo die Grenzen unserer Möglichkeiten sind, klären wir ehrlich darüber auf und überprüfen, wann ärztliche Versorgung oder Befundung anzuraten ist.

Was sind die Unterschiede zwischen Ärzten und Heilpraktikern?
Ein wesentlicher Unterschied liegt in der Art der Ausbildung und Zulassung. Ärzte dürfen verschreibungspflichtige Medikamente verordnen, Kuren verordnen und mit gesetzlichen Krankenkassen abrechnen.
Heilpraktiker schließen mit ihren Patienten Behandlungsverträge, in denen Honorare vereinbart werden. Heilpraktiker können sich somit für Ihre Patienten so viel Zeit nehmen, wie nötig ist und unabhängig von Kostenträgern die ihrer Meinung nach beste und erfolgversprechendste Therapie wählen.
Ärzten ist durch ihre Berufsordnung die unmittelbare gemeinsame Patientenbehandlung mit z.B. Heilpraktikern untersagt. Dennoch kommt es häufig zu einem Informationsaustausch und einer Kommunikation im Interesse des Patienten.

Gibt es eine Gebührenordnung für Heilpraktiker?
Nein. Der Heilpraktiker ist ein freier Beruf, der die Honorare für seine Leistungen frei bestimmen kann.
Das sogenannte „Gebührenverzeichnis“ (GebüH) ist lediglich eine ältere statistische Erhebung, die private Krankenkassen zur Bemessungsgrundlage ihrer Erstattung machen. Eine Verbindlichkeit, daran die Honorare festzulegen, besteht nicht und ist auch nicht umsetzbar.

Welche Therapien werden von Heilpraktikern angeboten?
Heilpraktiker bieten eine Vielzahl von mehr oder weniger bekannten Diagnose- und Therapieverfahren an. Zu den traditionellen Verfahren gehören vor allem solche der Naturheilkunde. Homöopathie, manuelle Therapien und Energiemedizin (wie z.B. Akupunktur), aber auch psychotherapeutische Verfahren sind ebenfalls häufig anzutreffen. Welche Verfahren ein Heilpraktiker anbietet, wird durch seine Interesse und seine Fortbildungen bestimmt.
Die Vielfalt an Therapieverfahren und die Freiheit, auch exotische Therapien, wie z.B. die Traditionelle Chinesische Medizin anbieten zu können, macht die Leistungen der Heilpraktikers zu wertvollen und begehrten Alternativen und Ergänzungen etablierter akademischer Medizin.
Die Sichtweise in den meisten Heilpraktikerpraxen ist als ganzheitlich zu bezeichnen, d.h. betrachtet wird nicht ein Symptom oder eine Krankheit, sondern der ganze Mensch. Solche Verfahren sind schwierig oder gar nicht wissenschaftlich zu erfassen, beruht ihr Erfolg doch oft auf der Kombinationswirkung der Ganzheit der Behandlung.
Da die Methoden so vielfältig sind, hat der Gesetzgeber die Kontrolle in die Hände der einzelnen Behandler gelegt, die mit ihrem medizinischen Grundwissen in jedem Einzelfall sorgfältig prüfen und dokumentieren, was sie tun.
Gerade um diese Freiheit, die immer mit einer hohen Eigenverantwortung einhergeht, beneiden uns viele medizinische Berufe, die durch Vorgaben der gesetzlichen Krankenkassen, durch Abhängigkeit von evidenzbasierten Qualitätskontrollen, und oft einseitig medizinischer Fachausbildung in ihrem Handeln stark eingeschränkt sind.

Sollte es nicht viel mehr Regeln in der Ausbildung und eine Überprüfung der durch Heilpraktiker angewandten Therapien geben?
Wir leben in einer Welt der Normung, Ob es die Krümmung von Gurken oder die Größe von Eiern ist, vieles wird genormt und oft ist es sinnvoll und nötig, zum Beispiel bei Steckdosen oder Glühlampenfassungen; Menschen aber lassen sich nicht normieren. Menschen sind unterschiedlich, individuell, kreativ, spontan, überraschend und entsprechen zum Glück keiner Norm.
Gesundheit und Krankheit sind ebenfalls komplexe Themen mit vielen sehr individuellen Bezügen. Es ist angebracht, dass es Normen in Krankenhäusern gibt, Normen für Krankenkassen und Standards für Medikamente. Genauso richtig ist es aber, dass es Vielfalt von Therapien und Behandlungsansätzen gibt, gerade weil die Menschen und ihre Themen so vielfältig und vielschichtig sind.
Wissenschaft erscheint oft dogmatisch, und doch lehrt die Erfahrung, dass was heute noch als wissenschaftlich und evidenzbasiert gilt, morgen schon obsolet wird oder als völlig unwissenschaftlich gilt. Vieles was einst als unwissenschaftlich und falsch abgetan wurde, erfährt in einer anderen Zeit und einem anderen kollektiven Bewusstsein wissenschaftliche Anerkennung und evidente Bestätigung.
Neben einer normativen und oft dogmatischen Medizin muss es daher auch ein offenes normenfreies und auf Erfahrung basierendes System geben, dass den vielfältigen Ansprüchen und komplexen individuellen Themen gerecht werden kann und der Vielfalt menschlichen Lebens entspricht.
Es war niemals die Einfalt, sondern immer die Vielfalt, die für menschliches Überleben, Gedeihen und Entwickeln gesorgt hat.
Die Vielfalt an Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten, die Heilpraktiker gewissenhaft anbieten, sowie ihre Unabhängigkeit von Zeitvorgaben und ihre ganzheitliche Schau machen den Heilpraktiker zu einem bedeutenden Pfeiler der Gesundheitsversorgung in Deutschland. Viele tausend Patienten nutzen jedes Jahr gerne dieses Angebot.

Warum gibt es nur in Deutschland Heilpraktiker?
Das ist so nicht richtig. Den Begriff „Heilpraktiker“ mit seiner gesetzlich verankerten Definition, gibt es so zwar nur in Deutschland, aber als klassischer Traditionsberuf, ist unser Beruf weltweit verbreitet. Zahlreiche Länder haben ähnliche gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen, benutzen aber Begriffe wie „Naturärzte“ oder „Naturheiler“, so zum Beispiel die Schweiz, die Niederlande und Norwegen.

Was ist ein „Heilpraktiker Psychotherapie“?
Die korrekte Bezeichnung muss heißen „Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie”.
In Ermangelung anderer gesetzlicher Grundlagen hat der Gesetzgeber für die Bereiche „Psychotherapie“ und „Physiotherapie“ eine eingeschränkte Heilpraktikererlaubnis eingeführt, die eine Erlaubnis für nur ein Teilgebiet der Heilkunde darstellt. Wer den Begriff „Heilpraktiker“ ohne Zusatz verwenden darf, kann auch Verfahren der Psychotherapie und Physiotherapie anbieten und unterliegt keiner Beschränkung auf besondere Therapiemethoden.

Kann ein Besuch beim Heilpraktiker einen Arztbesuch ersetzen?
Diese Frage kann pauschal nicht beantwortet werden. Es gibt Fälle, wo durch die Behandlung durch einen Heilpraktiker ein Arztbesuch hinfällig wird. In vielen Fällen wird eine Ergänzung von akademischer Medizin und Heilpraktiker-Therapie die ideale Behandlungsform sein. In anderen Fällen ist eine ärztliche Behandlung unerlässlich und Heilpraktiker werden Patienten dann auch an einen Arzt verweisen, zum Beispiel bei Notfällen oder gefährlichen Infektionskrankheiten.

Warum werden Heilpraktiker so oft in den Medien kritisiert?
Auch diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Wir wissen, dass es viel Unwissenheit und Vorurteile über unseren Beruf gibt, weshalb wir unter anderem diese Informationsschrift verfasst haben.
Traditionsberufe wie der Heilpraktiker haben es in einer schnelllebigen und wettbewerbsorientierten Gesellschaft, die von Lobbyismus und Wirtschaftsinteressen geprägt ist, nicht leicht. Manche Medien nutzen jede Möglichkeit, Themen einseitig oder sogar falsch darzustellen, um sinkenden Auflagenhöhen entgegenzuwirken. Mit gut recherchiertem Journalismus hat das wenig zu tun, dafür umso mehr mit Manipulationen durch Angst.
In der Tat zeigen vergleichsweise sehr geringe Beiträge zur Haftpflichtversicherung, wie gering Versicherungen das Risiko einschätzen, dass ein Heilpraktiker Schaden anrichtet. Solche Zahlen beruhen auf Wissen, nicht auf Spekulation.

Wie finde ich einen guten Heilpraktiker?
Die Beziehung zwischen Heilpraktiker und Patient ist von Vertrauen und Achtsamkeit geprägt. Das Patientengespräch findet häufig in einer persönlicheren und entspannteren Atmosphäre statt, als in einer durchschnittlichen Arztpraxis.
Welcher Heilpraktiker zu welchem Patienten passt, kann daher nicht pauschal beantwortet werden. Es ist aber sicherlich so, dass der persönliche Eindruck, das Gefühl, verstanden und verantwortungsvoll betreut zu werden, wichtige Kriterien für die Heilpraktikerwahl sind.
Viele Heilpraktiker finden ihre Patienten durch Mund-zu-Mund-Werbung, viele Patienten suchen heute über das Internet nach einem Behandler.

Dieser Text kann hier als PDF-Flyer heruntergeladen werden, zum Ausdrucken, Weitergeben ... usw.

 

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